dmexco 2014: Fünf Themen und ein Ausblick

Einlass dmexco (© dmexco)Im Rückblick auf 2 turbulente Messetage im Rahmen der dmexco zeigt sich klar, dass der Anteil der schon bei anderen Messen beliebten “Beutelratten” gefühlt stark angestiegen ist. Ein Durchkommen war gerade am ersten Messetag kaum möglich, aber man schlängelt sich halt so durch. Angesichts diverser Termine blieb dabei nur der Blick aus der Ferne auf das umfangreiche (und offenbar wieder mal völlig überlaufene) Konferenzprogramm (siehe auch unsere dmexco-Vorschau). Und nach zahlreichen Gesprächen mit vielen der Aussteller rund um das Thema digitales Monitoring vor Ort fällt auch das fachliche Fazit eher zurückhaltend aus. Denn wirklich neue Trends sind seit der letzten dmexco derzeit nicht erkennbar (von einem Aspekt vielleicht mal abgesehen). Dennoch hat sich einiges getan, so dass sich derzeit fünf Themen im Bereich Monitoring abzeichnen:

Datenschutz

Hier ist vermutlich der einzige “neue” Trend absehbar. Denn das Thema Datenschutz (inklusive weiteren Aspekten wie z.B. dem Serverstandort) hat im ersten Jahr nach Snowden deutlich Auftrieb bekommen, was nicht nur die Diskussion um die Monitoringpläne der Bundeswehr zeigt. Für manche Interessenten scheint speziell der Standort der Server bei der Tool-Auswahl sogar ein Pflichtkriterium zu sein – mindestens EU, am besten aber Deutschland ist hier die Anforderung. Spannende Facette: Mindestens ein Anbieter unterhält ein Datacenter in Schottland (im Sinne eines EU-Serverstandorts) – mal sehen, was aus der Strategie im Zuge des Unabhängigkeitsreferendums am Donnerstag wird… Das Thema “Datenschutz” entwickelt sich jedenfalls zunehmend zu einem gewichtigen (Marketing-) Argument für deutsche Anbieter – nicht zuletzt auch deshalb, weil viele ausländische Anbieter die spezifische Situation in Deutschland immer noch nicht auf dem Radar haben bzw. nicht verstehen.

Modernes Design

Der Wettbewerb zwischen funktionell ähnlichen Tools wird zunehmend auch über das Erscheinungsbild ausgetragen – ein Tool, mit dem man regelmäßig arbeitet, soll schließlich auch optisch gefallen, so subjektiv dieser Aspekt auch ist. Erfreulicherweise haben wieder weitere Anbieter ihren Tools ein Facelifting verordnet. Nachdem uberMetrics und Talkwalker seit der letzten dmexco bereits ein spürbar überarbeitetes Interface erhalten haben, steht nun auch VICO vor der Veröffentlichung einer neuen Oberfläche.

Dashboards, Widgets & Apps

Ausgehend von einer bestehenden Datenbasis wird speziell bei der Analyse von Social Media-Beiträgen die flexible Nutzung von Dashboards und Widgets immer wichtiger. So werden wie z.B. bei Talkwalker zunehmend vorkonfigurierte Dashboards für bestimmte Aufgabenstellungen (Krisenkommunikation, Wettbewerbsbeobachtung, etc.) bzw. Arbeitsfelder (PR, Marketing, Customer Care, etc.) bereitgestellt. Neben der stetig optimierten Benutzerführung der Tools ist dabei im Dashboard-Kontext auch das Thema “Command Center” noch lange nicht vom Tisch – gerade im Brand- und Agenturumfeld sind Auswertungen und Visualisierungen des aktuellen Social Buzz in Echtzeit weiter spannend und mindestens als schmückendes Beiwerk im Eingangsbereich durchaus reizvoll.

Daten-Schnittstellen

Die Einbindung und Bereitstellung von Daten ist definitiv ein Dauerthema. Sei es, um eigene Datenbestände zu ergänzen oder gar einen ganzen Kanal abzudecken (z.B. im Falle der Twitter-Firehose), oder um die eigenen Daten Dritten zur Verfügung zu stellen (für externe Analyse-Module oder zur Einbindung in andere Tools) – immer mehr Tools verfügen über eine API bzw. über die Möglichkeit, externe Daten einzubinden.

Engagement

Mittlerweile ebenfalls ein Dauerthema, denn im Zuge der Professionalisierung der Kommunikation im Social Media-Umfeld werden Tools immer wichtiger – sei es, um größere Teams bei der Reaktion auf (Kunden-)Anfragen zu koordinieren, oder um immer komplexere redaktionelle Prozesse inhaltlich und für die Umsetzung zu planen. Gerade die Bündelung von Social Media Analytics (zur Optimierung der eigenen Kanäle) und Engagement zeigt sich immer deutlicher als Anwendungsmöglichkeit im Toolumfeld. Aber auch die inhaltlichen Impulse in Form von Themen der jeweiligen Zielgruppe, die via Social Media Monitoring identifiziert werden, sind für redaktionelle Aktivitäten immer wichtiger – sei es zur Kuratierung externer Inhalte oder für den eigenen Redaktionsplan. Entsprechend haben immer mehr Anbieter entweder eine eigenes Engagement-Modul oder aber schauen sich nach entsprechenden Partnern um.

Fazit & Ausblick

Das Thema “digitales Monitoring” professionalisiert sich weiter, ohne dass wirklich neue Trends erkennbar sind (abgesehen vom Thema “Datenschutz”). Weiterhin scheint sich die Quellenbasis immer weiter anzugleichen – speziell im Bereich Twitter setzen immer mehr Anbieter auf die direkte Anbindung an die Twitter-Firehose. Und auch sonst zeigt sich, dass viele Tools stetig an Erscheinungsbild und Feature-Umfang feilen. Es zeigt sich aber auch, dass auch im Jahr 2014 erschreckend viele Akteure hinterherhinken – sowohl auf Agenturseite (siehe auch Agenturreport von Brandwatch), aber auch beim Kunden. Viele Auswahl- und Beratungsgespräche müssen oft bei den Grundlagen ansetzen.

Spannend bleibt die Frage der Marktentwicklung. Denn angesichts der eher kompakten Größe der meisten Anbieter aus der DE / EU-Region (in der Regel 25-50 Mitarbeiter) ist zwar der wirtschaftliche Druck nicht so groß wie bei den größeren Anbietern. Allerdings sind diese “kleineren” Anbieter auch weniger flexibel, wenn es um technische Umsetzungen geht. In den letzten 12 Monaten sind zwei deutsche Anbieter vom Markt verschwunden (Infopaq wegen Insolvenz, na media sonar). Und trotz der durchaus soliden Ausgangslage steht zu vermuten, dass die Konsolidierung des Marktes weitergeht. Wir werden sehen, wie der Status Quo in einem Jahr ausfällt.

Weitere Stimmen & Artikel zur dmexco

Die folgenden Artikel beschäftigen sich (bis auf die Artikel von Brandwatch, blueReport, digimind, Echobot, Talkwalker und uberMetrics) insgesamt mit dem Thema dmexco / Online-Marketing (kursiv markiert):

In Kooperation mit der dmexco gab es noch 2 öffentliche Dashboards mit aktuellem Social Buzz rund um Messe und Konferenz:

Dank aus Schaum geformter Aktionskunst dürfte wohl auch jeder mitbekommen haben, dass Twitter verstärkt in Deutschland und eben auch vor Ort auf der dmexco aktiv war:

Und eine Infografik zum Social Buzz gibt es dank pilot und Talkwalker auch:

Infografik Social Buzz rund um #dmexco2014 (powered by pilot und Talkwalker)

Bildquelle: © dmexco

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Interessanter Bericht. Erstaunlich, wie sehr das Thema Blogger Relations doch ausserhalb der Bubble fehlt. Alles schreit nach Content, als wäre es plötzlich etwas Neues das man Produkte so gestalten muss dass sie auch etwas bewegen…

    • Blogger Relations ist halt eine (kleine) Facette im Bereich Marketing-Kommunikation. Und findet bei einer großen und lauten Veranstaltung wie der dmexco wirklich nur am Rande statt – wenn überhaupt.

  2. Pingback: So war’s – Talkwalker blickt auf die dmexco 2014 zurück - Talkwalker Blog (DE)

  3. Pingback: Die Links aus dem Social Media Newsletter von heute (17.9.2014) - socialmedianewsletter.de

  4. Pingback: Bündelung: Wie VICO infospeed übernimmt

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