Topsy ist tot

topsy tot twitter analyticsEs war immer eine gute und günstige Möglichkeit für die schnelle Twitter-Suche zwischendurch: Das Twitter Analytics-Tool Topsy. Mal schnell prüfen, welches Hashtag häufiger verwendet wurde? Wie oft wurde ein Twitter-Account erwähnt oder twitterte selbst aktiv? Und all das für die letzten 30 Tage? Das war mit Topsy schon in der kostenlosen Version jederzeit möglich. Das 2013 von Apple gekaufte Tool ist seit heute Nacht abgeschaltet und hinterlässt eine spürbare Lücke.

Über das Tool Topsy (mehr Infos auch bei Wikipedia) dürften sicherlich in der Vergangenheit viele Social Media-Akteure gestolpert sein. Denn gerade für eine schnelle Recherche war der kostenlose Teil ideal. So konnten Tweet-Mengen schnell gezählt werden – durchaus auch mal sieben- oder achtstellige, z.B bei einer WM – und damit eventuell erforderliche Mention-Mengen besser abgeschätzt werden. Es fehlte zwar die Möglichkeit, nach Sprachen zu filtern, aber das war definitiv das kleinere Übel – denn beim Versuch, die Mengen mit einem kommerziellen Tool wären schnell die verfügbaren Treffer-Grenzen überschritten und Zusatzkosten verursacht worden. Hinzu kamen die vielfältigen Filter-Optionen, die z.B. nach aktiven oder erwähnten Autoren und Themen suchen konnten. Mittlerweile kann zwar auch die Twitter-Suche umfangreich filtern, eine schnelle Abschätzung der Treffermengen ist dort aber auch heute noch nicht verfügbar.

Umso bedauerlicher ist die Tatsache, dass seit heute Nacht Topsy abgeschaltet ist bzw. auf eine Support-Seite von Apple verweist (zur Suche in iOS 9). Einen letzten Tweet gab es aber vorher noch:

Wie The Verge vermutet bzw. aus der Umleitung auf die Such-Seite ableitet, könnte dies bedeuten, dass die Technologie hinter Topsy in die iOS9-Suche integriert wurde:

the URL redirect suggests its analytical technology may have been folded into iOS 9’s Search feature, which indexes devices and presents information alongside suggested data from the internet.

Alternativen, nachdem Topsy tot ist?

Vergleichbare kostenlose Alternativen gibt es derzeit leider nicht, wenn man mal von der Talkwalker Social Media Search absieht (siehe auch talkwalker.com) – diese ist kostenlos nutzbar im Gegensatz zum kostpflichtigen Tool von Talkwalker. Allerdings zeigt die “Free Search” von Talkwalker nur die Ergebnisse der letzten 7 Tage an, während bei Topsy immer die letzten 30 Tage angezeigt wurden. Weiterhin ist die Free Search derzeit auch nur eingeschränkt verfügbar, d.h. viele Auswertungen und Diagramme sind derzeit abgeschaltet und es sind nur die Trefferliste und einige Basis-Kurven sichtbar. Die abgeschalteten Auswertungselemente werden wohl in absehbarer Zeit wiederkommen, aber ein Zeitpunkt steht derzeit noch nicht fest. In jedem Fall gibt es meines Wissens keine weitere Such-Alternative, nun da Topsy tot ist. Oder habe ich ein Tool übersehen? Entsprechende Hinweise gerne in die Kommentare…

Fazit

Es zeigt sich einmal mehr: Es ist heikel, auf Dauer und vor allem im professionellen Umfeld auf kostenlose Tools zu setzen. Denn der Betreiber kann sich jederzeit entscheiden, das Tool abzuschalten – und das im Gegensatz zu den Nutzungsbedingungen eines kommerziellen Tools ohne jede Vorwarnung oder Übergangsfrist.

Und selbst als regelmäßiger Nutzer diverser kostenpflichtiger Tools für Social Media Monitoring und Social Media Analytics merke auch ich erst jetzt, da Topsy tot ist, wie groß die Lücke ist, die da entstanden ist. Denn eine wirkliche Alternative gibt es aktuell nicht, abgesehen von der Talkwalker Social Media Search. Und selbst wenn diese irgendwann wieder wie gewohnt nutzbar ist, bleibt da ein “Monopol”. Und das ist immer schwierig.

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Topsy gibt es nicht mehr | digithek blog

  2. Lieber Stefan
    Danke für diesen Hinweis. Du schreibst:
    “Es zeigt sich einmal mehr: Es ist heikel, auf Dauer und vor allem im professionellen Umfeld auf kostenlose Tools zu setzen. Denn der Betreiber kann sich jederzeit entscheiden, das Tool abzuschalten – und das im Gegensatz zu den Nutzungsbedingungen eines kommerziellen Tools ohne jede Vorwarnung oder Übergangsfrist.”

    Das stimmt so nicht. Denn dann könntest du weder Gmail noch Facebook nutzen…. alle diese können ja auch abgeschaltet werden da kostenlos?…. Die Schlussfolgerung – gratis = > Risiko finde ich so nicht korrekt.

    Was bezahlte Tools betrifft, die wenigsten erlauben es dem Provider nicht einseitig zu kündigen mit ganz kurzer Frist. Topsy hat schon vor 12 Monaten geschrieben, dass sie das Ding zumachen würden (die Abos konnte man nicht erneuern). Ist das nicht Warnung genug?

    Schade ist es auf jeden Fall. Zum Glück haben wir zahlende Kunden… also schalten wir unser Tool noch nicht ab 🙂
    Fröhliche Weihnachten lieber Stefan und einen tollen Rutsch ins 2016

    Grüessli Urs

    • Exakt – bei Gmail oder auch bei Facebook muss ich durchaus damit rechnen, dass da Funktionen nicht mehr zur Verfügung stehen oder ein Dienst ganz abgeschaltet wird. Als nicht zahlender Kunde kann ich da dann genau nichts machen – darum ging es mir. Ich kann auch meine Buchhaltung über Google Spreadsheet machen, aber habe dann das Risiko, dass die Datei eventuell weg ist oder etwas hakt – ich habe als “Kostenlos”-Nutzer eben keinen Durchgriff auf den Anbieter.

      Im Kern ging es mir hier aber vor allem um die kostenlose Topsy-Variante für die schnelle Recherche zwischendurch, nicht um den Zugriff auf das komplette Twitter-Archiv. Das war ja (für eine ernstzunehmende Nutzung abseits der öffentlichen Twitter-Suche) nie kostenlos und da gibt es ja auch noch andere Anbieter, die das im Portfolio hatten und haben.

      • Stimmt Stefan

        Wenn der Provider die Lichter ausschalten will, kann man nicht viel machen ob zahlender Kunde oder kostenlos. Wenn ich bezahlt habe lässt sich Apple einfach 12 Monate Zeit bis mein Abo ausgelaufen ist.

        Topsy war toll, aber für Apple auch nach der Übernahme wohl kein strategisches Objekt. Es war eigentlich auch nicht klar ersichtlich, warum Apple die Firma gekauft hatte – was sie damit erreichen wollte.

        Jetzt hat jemand intern den Geldhahn zugedreht. Da es nicht profitabel war, das Topsy Abenteuer, gibt es dieses heute nicht mehr. Schade

  3. Hallo Stefan,

    hast Du intensive Erfahrungen mit Topsy?
    Wenn ja, dann bin ich an Deinen Erfahrungen interessiert.

    Beste Grüße

    Ralph

    • Hallo Ralph, leider kann ich da mit intensiveren Erfahrungen nicht dienen – habe es ausschließlich in der kostenlosen Variante benutzt (wie auch im Artikel skizziert). Eventuell kann Dir da aber Urs Gattiker (siehe andere Kommentare hier beim Artikel) weiterhelfen? Schöne Grüße, Stefan

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