Infografiken selbstgemacht: PowerPoint und andere Tools

infografiken mit powerpointInfografiken sind beliebt – und helfen, auch komplexe Inhalte übersichtlich darzustellen. Im Mai haben wir gleich bei zwei größeren Events den Social Buzz rund um die Veranstaltung gemessen und die Ergebnisse in einer Infografik zum Eurovision Song Contest bzw. in insgesamt vier Infografiken zur re:publica 2016 zusammengefasst (Danke nochmals an Talkwalker für die Daten!). Dafür haben wir uns diverse Tools zur Erstellung von Infografiken und Visualisierungen angesehen (Liste im Artikel). Die Ergebnisse und Möglichkeiten haben uns dabei nicht voll überzeugt, so dass wir ein Experiment gewagt haben: Infografik-Erstellung mit PowerPoint. Wir würden sagen: Das Experiment ist geglückt! Und wir haben dabei einiges gelernt.

Es gibt zahlreiche Tools, die bei der Erstellung von Infografiken helfen (einige Tools am Ende des Artikels). Diese Tools helfen insbesondere, wenn es einmal schnell gehen soll. Gerade kostenlose Tools gehen dabei aber mit einigen Einschränkungen einher: Es stehen beispielsweise nur wenige Schriftarten, Formen und Symbole zur Verfügung. Auch Daten lassen sich damit oft nicht zufriedenstellend visualisieren.

Eine gute Lösung bietet deshalb: PowerPoint. Ja, richtig gelesen. Was zunächst abwegig klingt, funktioniert in der Praxis ziemlich gut. Denn PowerPoint bietet umfangreiche Möglichkeiten, Inhalte zu gestalten – und damit Infografiken zu erstellen.

Die Grundlagen bei der Erstellung von Infografiken mit PowerPoint

Bei jeder Infografik gilt: Erst überlegen, welche Inhalte dargestellt werden sollen, dann das Design und passende Elemente wählen. Schließlich richtet sich der Aufbau nach dem Inhalt. Und nach dem Aufbau, welche Größe die Infografik haben muss. Der Inhalt bestimmt außerderm, welche Farben und Formen für die Visualisierung überhaupt sinnvoll sind.

Unter Datei > Speichern unter lässt sich eine PowerPoint-Datei auch als JPG oder PNG speichern.

Unter Datei > Speichern unter lässt sich
eine PowerPoint-Datei auch als JPG oder PNG
speichern.

Eine PowerPoint-Datei lässt sich auch in anderen Formaten speichern: z. B. als JPG oder PNG. Damit ist es ein Leichtes, aus einer Folie (oder Foliensammlung) ein Bild zu machen. Jede Folie wird dabei als eigenes Bild gespeichert – durchaus praktisch, wenn man unterschiedliche Infografiken in einem Rutsch herstellen will.

Klassische PowerPoint-Präsentationen haben ein 4:3- oder 16:9-Format. Wie passt das zu Infografiken? Ganz einfach: Über die Seiteneinstellungen lässt sich das Format beliebig variieren – z. B. auch in ein Hochkantformat. Für die Infografiken zur re:publica hatten wir am Ende ein Format von 25,4 mal 82 Zentimetern.

Diese Größe war die Obergrenze, denn bei unseren ersten Versuchen haben wir schnell festgestellt: Je länger unsere Infografik wurde, umso schlechter wurde die Auflösung beim Speichern als Bild.

Das Problem: Wenn man eine PowerPoint als Bild speichert, hat die längste Seite der Folie max. 3072 Pixel Länge. Bei den meisten Infografiken mit PowerPoint dürfte das gar nicht auffallen. Schwierig wird es jedoch, wenn die Folie viel länger als breit ist (oder viel breiter als lang).

Die Seitengröße einer PowerPoint-Datei lässt sich anpassen unter Entwurf > Seite einrichten > Benutzerdefiniertes Format.

Die Seitengröße einer PowerPoint-Datei
lässt sich anpassen unter Entwurf >
Seite einrichten >
Benutzerdefiniertes Format.

Unser erster Entwurf für die Infografiken zur re:publica war fast 100 Zentimeter lang und damit viermal so lang wie breit. Als PNG gespeichert waren wir damit auf einmal nur noch bei 3072 mal 768 Pixel – die Auflösung wurde damit zu schlecht für die Inhalte, die wir gerne darstellen wollten. Also mussten wir die Inhalte kürzen und sind letztendlich bei einer Auflösung von 3067 mal 950 Pixel gelandet. Dabei waren alle Inhalte noch gut erkennbar. Auch deshalb ist es wichtig, sich zuerst Gedanken über Inhalt und Aufbau zu machen.

Infografiken mit PowerPoint: Individuell und wiedererkennbar

Online-Tools für Infografiken bieten oft bereits fertige Layouts und Elemente an. Die sind oft aber begrenzt oder lassen sich nicht beliebig miteinander kombinieren. Dieses Problem hat man in PowerPoint nicht. Und man kann eigene Schriftarten und Farbkombinationen verwenden.

Im Reiter Entwurf lässt sich das Farbschema der PowerPoint anpassen.

Im Reiter Entwurf lässt sich das
Farbschema der PowerPoint anpassen.

Besonders interessant sind dabei die Designvorlagen, die sich bequem individualisieren lassen. Insbesondere die Farbvorlagen haben uns sehr geholfen. Denn jedes Farbschema bietet automatisch unterschiedliche Abstufungen der im Schema definierten Farben. Verwendet man solch ein Schema, lässt sich die Farbe einer Infografik ändern, indem man einfach das Farbschema anpasst. Mit diesem Trick konnten wir die vier Infografiken zur re:publica im Handumdrehen anpassen, so dass durch die Farbgebung eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Tagen möglich war.

Tipps & Tricks für Infografiken mit PowerPoint

Icons und andere grafische Elemente gehören natürlich zu jeder Infografik dazu. Verschiedene Formen kann man dabei zu einer Form kombinieren – und per Copy und Paste beliebig oft wiederverwenden. Wenn man einmal bestimmte Elemente erstellt hat, lassen sich diese genauso leicht wieder verwenden wie die Elemente in Online-Tools– mit dem Vorteil, dass die selbsterstellten Elemente nicht in jeder dritten Infografik auftauchen. 😉 (Übrigens kann man die Grundformen aus PowerPoint gut zu eigenen Icons und Piktogrammen kombinieren – wie man es z. B. auch von Sketchnotes kennt.)

Auch eine Kombination aus Texten und Bildern lässt sich über das Gruppieren leicht wiederverwenden. Das Layout für die Top-Inhalte haben wir in unserer Infografik nur einmal gebaut und dann gruppiert, kopiert und so oft neu eingefügt, wie wir das entsprechende Element brauchten.

Über die Bild- und Zeichentools lassen sich Elemente bequem ausrichten.

Über die Bild- und Zeichentools lassen sich
Elemente bequem ausrichten.

Gruppierte Elemente lassen sich dabei auch bequem ausrichten, so dass wir nicht jedes Bild und jeden Text einzeln positionieren mussten, sondern nur die Gruppen verteilen. Dafür eignen sich besonders die Funktionen horizontal/vertikal zentrieren und horizontal/vertikal verteilen:

Elemente, die in der gleichen Spalte angeordnet sein sollen, werden dann z. B. horizontal zentriert (damit alle Elemente die gleiche Mitte haben) und vertikal verteilt (damit der Abstand zwischen allen Elementen gleich ist).

Bilder können über Farbeinstellungen in den Farben des Farbschemas eingefärbt werden – und ändern so auch beim Wechsel des Farbschemas automatisch ihre Farbe.

Bilder können über Farbeinstellungen in den
Farben des Farbschemas eingefärbt werden –
und ändern so auch beim Wechsel des
Farbschemas automatisch ihre Farbe.

Alle Elemente lassen sich in PowerPoint einfärben – auch Bilder. Das ist besonders für Icons praktisch, die man farblich ins eigene Design einpassen möchte. Dafür stehen zwar „nur“ die Farben des ausgewählten Farbschemas zuverlässig zur Verfügung. Dies hat aber den Vorteil, dass sich bei einer Änderung des Farbschemas automatisch auch die entsprechend eingefärbten Icons und Bilder ändern – z. B. die Instagram- und Twitter-Logos in unseren Infografiken von der re:publica.

Anders als bei vielen Grafik-Tools kann man auch Diagramme direkt in PowerPoint erstellen. So war die Erstellung des Tagesverlaufs und auch die Verteilung der Medientypen ganz unkompliziert. Wir haben dafür einfach die entsprechenden Daten in die hinterlegte Excel-Tabelle kopiert. Da die Daten aus Talkwalker ebenfalls in einer Excel-Datei vorlagen, konnten wir die Tageswerte einfach auch per Copy & Paste einbinden.

Andere Tools zum Erstellen von Infografiken

Zugegeben: Unsere Infografiken zum Social Buzz sind speziell, da wir viele eigene Daten und unterschiedliche Inhalte integrieren wollten.

Im Alltag und bei weniger komplexen Infografiken eignen sich auch andere Tools – gerade, wenn es weniger auf das individuelle Design ankommt. Die folgenden Tools sind unserer Meinung nach definitiv einen Blick wert:

  • Canva.com ist ein Klassiker – nicht nur für Infografiken, sondern überhaupt für Social Media taugliche Bilder: Schick und zeitgemäß. Canva ist grundsätzlich kostenlos. Sie können aus einer Vielzahl an Formaten, Vorlagen und Elementen wählen. Einige Vorlagen, Bilder und Icons sind dann allerdings kostenpflichtig. Die erstellten Grafiken lassen sich in unterschiedlichen Formaten exportieren – und werden nicht von Canva gebrandet. Praktisch auch: Die Canva-App funktioniert insbesondere auf Tablets auch ganz hervorragend.
  • Piktochart ist sowas wie der Standard für Infografiken. Sie können aus einer Vielzahl an Vorlagen und Elementen wählen. Auch hier ist eine kostenlose Nutzung möglich, wobei die Auswahlmöglichkeiten ebenfalls eingeschränkt sind. In der kostenlosen Version werden alle Inhalte durch Piktochart gebrandet.
  • Venngage und easel.ly sind weitere Tools für Infografiken. Auch hier gibt es zahlreiche Vorlagen zur Auswahl. In den kostenlosen Varianten ist die Auswahl beschränkt.
  • Infogr.am ist auch schon länger am Start. Damit lassen sich Daten hübsch visualisieren – je nach Typ auch mit kleinen Animationseffekten. Die Infografiken sind dann über die Plattform selbst verfügbar und können auf anderen Seiten eingebettet werden. Statistiken geben Aufschluss darüber, wie häufig die Infografiken aufgerufen wurden.
  • Google Charts ist zwar kein klassisches Infografik-Tool, aber soll an dieser Stelle nicht fehlen. Denn Google stellt damit sehr umfangreiche Diagrammtypen zur Visualisierung eigener Daten zur Verfügung. Gerade auch Monitoring-Daten lassen sich damit anschaulich darstellen.

Über unsere Erfahrungen beim Erstellen von Infografiken mit PowerPoint haben wir auch auf dem #djvcamp am 2. Juli 2016 in Köln eine Session gehalten. Hier finden Sie unsere Präsentation dazu:

Infografiken erstellen – mit Powerpoint und anderen Tools von Katja Evertz

Fazit

Nachdem wir eine Vorlage für unsere Infografiken gebaut hatten, hat die Erstellung jeder einzelnen Infografik nur noch etwa eine Stunde gedauert. Dabei hat es am längsten gedauert, Screenshots der erfolgreichsten Inhalte zu machen und einzubauen.

Unterm Strich haben wir zwar viel Zeit in die Erstellung unseres Infografik-Masters gesteckt, aber dank vieler PowerPoint-Funktionen konnten wir daraus dann in sehr kurzer Zeit unterschiedliche Infografiken erstellen – und zwar genau so, wie wir es brauchten. Und unseren Master können wir nun jederzeit wiederverwenden und durch Farben, Hintergründe und kleinere Neuanordnungen der Elemente individualisieren.

Katja Evertz

Veröffentlicht von

Katja Evertz arbeitet als Digital Strategist bei FleishmanHillard. Nach Stationen im Agenturbereich (Director Editorial in der Kommunikationsagentur CAMAO) und im Hochschulsektor (Universität St.Gallen, Schweiz) trieb sie bis März 2016 als Referentin (und bis 12/2014 als stellvertretende Pressesprecherin) das Thema Social Media in einer Bundesbehörde voran. Dabei beschäftigt sie sich auch seit Jahren mit den Themen Social Media Monitoring und Analytics. Als Speaker ist sie zudem regelmäßig auf Konferenzen, Seminaren und auch auf BarCamps anzutreffen, von denen sie über 10 bereits mitorganisiert hat. Sie twittert unter @katjazwitschert und bloggt ansonsten unter www.katjaevertz.de und www.goverbreak.de.

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

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  3. Moin Frau Evertz,

    danke für diesen Artikel! PowerPoint ist in der Tat ein flexibles Werkzeug, das für viele Zwecke sinnvoll eingesetzt werden kann.

    Zum Problem mit der geringen Auflösung der aus PowerPoint exportierten Bilder habe ich zwei Tipps:

    1) Unter Windows lässt sich in der Registry die „ExportBitmapResolution“ anpassen. Damit sind höher aufgelöste Bilder möglich. Unter PowerPoint 2016 wurde eine Folie im Format 33,867 cm x 100 cm zu sagenhaften 4000 x 11811 Pixeln!
    Registry-Schlüssel für PowerPoint 2016 (DWORD 32 Bit):
    HKEY_CURRENT_USER\SOFTWARE\Microsoft\Office\16.0\PowerPoint\Options\ExportBitmapResolution = 300 (Dezimalwert).

    2) Wenn man Photoshop oder ein anderes Programm hat, das PDFs in Pixel umwandeln kann:
    Zunächst speichert man die PowerPoint-Datei als PDF. Dann öffnet man diese PDF in Photoshop und legt dabei die gewünschte Größe in Pixeln fest. Schließlich speichert man die Pixeldatei als PNG oder Jpeg. Fertig!

    • Katja Evertz

      Hallo Herr Lamprecht,

      danke für Ihre weiteren Tipps.

      Photoshop gehört ja leider zur Luxus-Ausstattung für Normalnutzer … und der Hinweis auf die Registry ist auch eher etwas für die Profis. Wir wollten deshalb v.a. zeigen, wie man ohne großes Vorwissen und mit den Bordmitteln, die uns (fast) allen zur Verfügung stehen (auch an Dienstrechnern mit ihren diversen Einschränkungen), einfach Infografiken erstellen kann.

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