Wie Talkwalker Bilderkennung lernt

talkwalker bilderkennung image recognitionWährend das Thema Bilderkennung eigentlich schon an vielen Stellen selbstverständlich ist, ist es im Bereich Social Media Monitoring immer noch nicht Standard – zu groß sind die anfallenden Bildmengen und die damit verbundenen Aufwände. Andererseits können so eben auch rein visuelle Referenzen einer Marke gefunden werden, ohne dass es zusätzliche textliche Erwähnungen gibt. Ab heute bietet nun der Luxemburger Anbieter Talkwalker Bilderkennung an – und ist damit im europäischen Markt der erste Anbieter eines Social Media Monitoring-Tools, der diese Lücke schließt. Wir haben uns das neue Feature angesehen und mit dem Produktmanager gesprochen.

„Es heißt, ein Bild sagt so viel wie tausend Worte, aber auf Social Media kann man das noch mit 100 multiplizieren”, sagt Todd Grossman, CEO von Talkwalker Amerika. „Es ist entscheidend für Marken zu wissen, wer das Logo wann und wie verwendet. Nur so können die Reichweite und Stärke der Marke erfasst werden. Mit der Bilderkennungs-Technologie von Talkwalker können Marken die Wirkung und Resonanz von visuellen Inhalten auf Social Media und online besser messen als je zuvor.“

Wie bei Talkwalker Bilderkennung funktioniert

Eins vorweg: Das Thema Bilderkennung ist alles andere als trivial. Das neue Feature von Talkwalker nutzt Computer Vision und Machine Learning, um Markenlogos (nach eigenen Angaben) mit einer Genauigkeit von 99% zu erkennen. Entsprechend kann auch künftig ein Kunde nicht einfach so ein Logo hochladen, um dann umgehend mit der Bilderkennung beginnen zu können – es ist eine Trainingsphase mit mehreren Logovarianten nötig. Für etwa 30.000 Logos hat Talkwalker dies bereits vorab erledigt (siehe auch Artikel im Talkwalker-Blog).

Das Aufsetzen einer Suche ist danach aber ganz einfach: Über das Image Search-Feld (oder den neuen Operator “image:”) kann ein im System verfügbares Marken-Logo beim Anlegen einer Query bzw. eines Topics ausgewählt werden. Wer dabei nur die rein visuellen Treffer analysieren will, schließt textliche Erwähnungen aus (also z.B. “image:heineken AND NOT heineken”).

talkwalker bilderkennung query heineken

Screenshot “Einstellen der Search query mit image:”

Nach dem Abspeichern der Suche können dann die Treffer wie gewohnt in der Übersicht angesehen werden. So wurden bei der Suche nach dem “Heineken”-Logo in den letzten 7 Tagen 1834 Bilder gefunden:

talkwalker bilderkennung top5 heineken

Bilderkennung: Die neuesten 5 Posts mit Heineken-Logo

So wurde z.B. das folgende Bild in einem Tweet gefunden:

Viele dieser Treffer für die letzten 7 Tage stammen aus Twitter und Instagram, aber auch in anderen Medientypen gab es Treffer bzw. passende Bilder.

talkwalker bilderkennung medientypen heineken

Bilderkennung: Fundstellen mit dem Heineken-Logo nach Medientypen

Und um noch ein zweites Beispiel zu zeigen: Auch die Suche nach dem Logo des schwedischen Möbelhauses Ikea wird schnell fündig…

Wie Talkwalker Bilderkennung umsetzt

Nach den ersten Vorabtests waren wir natürlich neugierig, mehr über das neue Feature und dessen Rahmenbedingungen zu erfahren. Wir freuen uns daher, dass Pierre Detry, Project & Product Manager bei Talkwalker, dem MonitoringMatcher einige Fragen beantwortet hat.

Pierre Detry, Product Manager talkwalker bilderkennung

Pierre Detry, Product Manager bei Talkwalker

Seit heute kann Talkwalker nun auch Bilderkennung. Wie ist das neue Feature entstanden, wie lange hat die Entwicklung gedauert und welche Plattformen werden derzeit abgedeckt?
In den sozialen Netzwerken werden mehr und mehr Bilder geteilt: 175 Millionen täglich auf Twitter; bei Instagram sind es schon 80 Millionen. Wenn man bedenkt, dass bis zu 80 Prozent der Bilder, auf denen Markenlogos erkennbar sind, die Marke nicht im Text nennen, kommt der Bilderkennung im Social Media Monitoring eine völlig neue Bedeutung zu. Unsere Entwickler sind seit einiger Zeit der Möglichkeit nachgegangen, die Bilderkennung Technologie zu entwickeln, und der Prozess hat Anfang Herbst letztes Jahr so richtig begonnen. Heute kann Talkwalker 30.000 Marken in Bildern erkennen und es werden alle Plattformen abgedeckt, die von Talkwalker beobachtet werden (z.B. Twitter, Instagram, Flickr).

Wie genau funktioniert die Bilderkennung? Und was muss bei den künftig einzusetzenden und hochzuladenden Bildvorlagen beachtet werden (Formate, etc.)?
Unsere künstlichen neuronalen Netzwerke arbeiten mit einem Bilderset, das jedes Logo in unterschiedlichen Zusammenhängen und Größen zeigt. So können die Logos später in den verschiedensten Situationen erkannt werden. Diese Vorarbeit hat für 30.000 Logos bereits stattgefunden, kann aber natürlich auch für weitere Marken vorgenommen werden. Als Vorlage können Bilder dienen, die das Logo in unterschiedlichen Situationen zeigen.

Wie schnell werden neue Bilder als Treffer im System landen und welche Auswirkungen sind im Hinblick auf die Systemperformance zu erwarten? Denn es gilt ja eine sehr große Zahl von Bildern zu scannen.

Talkwalker sammelt eine ungeheure Menge an Informationen, und wir mussten sicherstellen, dass die Suchergebnisse in Echtzeit vorliegen. Unser Data Intelligence Team hat hier wirklich Wunderbares vollbracht. Wir scannen mehr als 400 Bilder pro Sekunde, und weil der Prozess parallel zur normalen Suche abläuft, wird der Rest des Systems davon nicht beeinträchtigt.

Wie sieht das Abrechnungsmodell aus? Eine zusätzliche Monatsgebühr und jeder gefundene Treffer geht dann von den monatlichen Treffer-Budgets ab? Oder wird es eine Einzelabrechnung geben?

Unsere Kunden nutzen Talkwalker nicht nur, um Social Data über die eigene Marke auszuwerten, sondern auch um Wettbewerber zu beobachten und daraus einen Mehrwert zu generieren. Deshalb haben wir uns für ein einfaches Abrechnungsmodell mit Pauschalpreis für die gesamte Datenbank entschieden. Bild-Ergebnisse werden wie alle anderen Ergebnisse behandelt und fließen in die monatliche Quote mit ein. Die Preise der vorhandenen Monatspakete werden durch die Bilderkennung nicht erhöht. Natürlich werden Ergebnisse mit Text und Bild nicht doppelt gezählt.

Wir haben ja schon testen können – und das neue Feature sieht in unseren Augen vielversprechend aus. Wie sehen denn die bisherigen Kundenreaktionen aus?

Das bisherige Kundenfeedback ist extrem erfolgversprechend. Kunden sind beeindruckt von der Genauigkeit der Technologie und von der Anzahl der Resultate, die sie ohne die Bilderkennung verpasst hätten. Sie sehen hier einen echten Mehrwert im klassischen Monitoring, im Markenschutz und in der Kampagnen-Optimierung.
Vielen Dank für das Interview, Pierre!

Fazit zur Talkwalker Bilderkennung

Nun kann also mit Talkwalker das erste europäische Monitoring-Toolanbieter Bilderkennung – und das nach unserem ersten Eindruck schon in sehr vielversprechender Qualität. Es gibt zwar schon einige europäische (und sogar deutsche) Anbieter von Bilderkennung, diese sind aber bislang noch nicht in eine “klassische” Monitoring-Anwendungen integriert, sondern in der Regel Insellösungen. Und auch wenn andere europäische Anbieter an dem Thema Bilderkennung arbeiten (und zum Teil sogar schon sehr weit sind): Aktuell ist Talkwalker in diesem neuen Marktsegment alleine aktiv – ein Test lohnt sich daher in jedem Fall.

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Stefan

    Sehr interessant.
    Wenn ich das richtig verstehe erkennt es 30000 Firmenlogos die eingespeichert wurden.
    Aber Fotos ansonsten erkennt die Technologie nicht (d.h. meine Fotos vom letzten Firmenevent, assuer sie haben das Logo drin).

    Das kann für grosse Consumer Brands wie Nespresso hilfreich sein.
    Doch kleinere wie DrKPI haben da wohl das nachsehen 🙂

    Grüessli
    urs

    • Verstehe ehrlich gesagt deine Frage nicht bzw. hier liegt eventuell ein Missverständnis vor: Aktuell sind bereits 30.000 Marken-Logos im System gelernt und erfasst. Und es können neue Logos hinzugefügt (und trainiert) werden, auf Basis von Fotos, die das Logo “im Einsatz” zeigen. Sobald das Logo von DrKPI im System ist, kann es auch erkannt werden. Und Sinn dieser Funktionalität ist ja gerade, Bilder zu finden, die das Logo enthalten – auch auf den Bildern von gestrigen Firmenevent.

  2. Lieber Stefan

    Das Ganze geht um Bilderkennung. Da verstehe ich einfach etwas mehr als einfach gescannte Logos zu erkennen.

    Mit anderen Worten, es kann nur die Logos erkennen aber ansonsten kann es z.B. nicht erkennen wo welche Fotos geschossen wurden.

    Für mich war die Ueberschrift etwas verwirrend. Das das Ganze toll ist versteht sich.

    Jetzt weiss ich also das meine Heineken Bierflasche (Logo) 50 x oder 1,000 mal gepostet wurde. Super.

    Danke Stefan.

    • Hmm, selbst wenn man im Kontext von Social Media Monitoring / digitalem Monitoring (Fokus MonitoringMatcher) unter Bilderkennung etwas anderes bzw. weiter gefasstes verstehen würde, sollte doch im gesamten Text deutlich geworden sein, um was es geht. Und es ist in der Tat ein extrem spannendes neues Feature (und eine Einsatzmöglichkeit für “normale” Fotos, z.B. von Menschen scheint mir zwar schnell juristisch heikel zu werden, aber technisch durchaus denkbar zu sein). Und es geht da meines Erachtens nur am Rande um die Quantität der Treffer, sondern darum, nun Treffer finden zu können, die bislang nicht zu finden waren – für Dich mag das nicht relevant sein, für Heineken grundsätzlich erst mal schon. Zumindest haben sie nun weiteres Material identifizieren können, die die Analysen auf breitere Füße stellen können.

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