Social Media Hessenwahl: Fünf erste Erkenntnisse

hessenbuzz socia media landtagswahl hessen 2018 erkenntnisse ltwhessenNach dem Datenprojekt zur re:publica 2018 haben wir vor kurzem ein weiteres Analyse-Projekt gestartet. Denn am 28. Oktober wird in Hessen der neue Landtag gewählt. Und wir wollen bis dahin mit dem HessenBuzz-Projekt sowohl den Social Buzz rund um das Thema Hessenwahl als auch die Nutzung der Social-Media-Kanäle der großen hessischen Parteien beobachten und analysieren. Unterstützt werden wir dabei von Talkwalker und Fanpage Karma (mehr Infos dazu auch auf der Live-Seite zu HessenBuzz). Es werden weitere Artikel mit Analysen folgen, aber den Anfang machen fünf erste Erkenntnisse.

Ausgangsbasis Hessenwahl

Als passender Einstieg zeigt eine heute veröffentlichte Insa-Umfrage (im Auftrag der BILD) (Quelle: FAZ), dass mehrere Optionen für eine Regierungsbildung denkbar sind (vor allem Schwarz-Rot oder aber Jamaika) und so durchaus noch für einen lebendigen Wahlkampf sorgen könnten. Die derzeitige schwarz-grüne Koalition hätte bei den aktuellen Zahlen allerdings keine Perspektive.

Umfrage Hessenwahl (10.09.18, Insa / BILD)

Grafik Umfrage Hessenwahl (10.09.18, Insa / BILD)

Das #HessenBuzz-Projekt

Unter #HessenBuzz schauen wir bis Ende Oktober auf den hessischen Wahlkampf im Netz (z.B. unter #LtwHessen) und auf die Auftritte der Parteien bei Facebook und Twitter. Auf der HessenBuzz-Projektseite finden sich ab sofort aktuelle Daten der letzten sieben Tage sowie die erfolgreichsten Facebook-Beiträge der Parteien in den letzten 24 Stunden. Die Grafiken werden alle 15 Minuten aktualisiert. Insgesamt sind 22 verschiedene Auswertungen verfügbar.

Datenbasis für #Hessenbuzz

Für das Projekt werden wir verschiedene Daten nutzen. Zum einen erfassen wir mit Talkwalker alle Tweets, die rund um die Hessenwahl gepostet werden – u.a. mit den hashtags #LTWHessen und #ltwhe, aber auch Erwähnungen der SpitzenkandidatInnen sowie Kombinationen von Parteinamen mit Hessen. Aktuell sind das etwa 10-12 Tsd. Tweets pro Woche.

Weiterhin haben wir für Hessen 46 Facebook-Seiten sowie 36 Twitter-Accounts identifiziert. Diese gehören zu einer der folgenden Gruppen:

  • Die 6 größten hessischen Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke, AfD)
  • 5 Landtagsfraktionen (alle genannten Parteien bis auf AfD)
  • Spitzenkandidatinnen (jede hessische Partei hat 1-2 SpitzenkandidatInnen nominier)
  • Ortsverbände / Kreisverbände der fünf größten hessischen Städte (stehen etwa für 25 % der hessischen Bevölkerung)
    • Frankfurt
    • Offenbach
    • Darmstadt
    • Wiesbaden
    • Kassel

Die Social Media Analytics-Daten zu allen 82 Accounts werden dabei mit Fanpage Karma und ergänzend mit Talkwalker gesammelt. Dabei werden neben Basics wie Fan- und Followerzahlen auch die einzelnen Posts sowie die Reaktionen erfasst und ausgewertet. Eine Auswahl von Auswertungen finden sich auf der Live-Seite zu HessenBuzz.

Die fünf ersten Erkenntnisse zum Thema Social Media zur Landtagswahl Hessen

Im Vorfeld der Zusammenstellung der HessenBuzz-Live-Seite haben wir uns die identifizierten und analysierten Accounts und die weiteren Daten angeschaut und wollen unsere Analyse-Reihe daher mit einigen grundsätzlichen Erkenntnissen starten. Dabei ist es durchaus erstaunlich, dass manche Dinge auch im Jahre 2018 noch nicht selbstverständlich bzw. Standard sind.

1. Plattform-Nutzung durch die Parteien

Den Anfang macht gleich der Blick auf den Durchdringungsgrad der Plattformen. Denn eigentlich sollte man ja davon ausgehen, dass bei einem Wahlkamp auf Landesebene alle Akteure in Social Media aktiv sind (also Parteien, Landtagsfraktionen, SpitzenkandidatInnen, usw). Und auch wenn manche Parteien mehr als 90 % aller möglichen Accounts nutzen, gibt es eben auch Parteien, die gerade mal 70 % abdecken – d.h. ein knappes Drittel des Potenzials nicht ausschöpfen.

Plattform-Nutzung der Partien (Eigenrecherche)

Grafik: Plattform-Nutzung der Partien (Eigenrecherche)

Natürlich mag es da auch nachvollziehbare Gründe geben – neben Ressourcenproblemen sind dabei auch unterschiedliche Kommunikationskonzepte denkbar. Es bleibt aber die Befürchtung, dass manche Kanäle einfach nicht “mitgedacht” wurden.

2. “Verifizierung” von Plattformen nach Parteien

Grundsätzlich gibt es ja zwei Möglichkeiten, einen einzelnen Account zu “verifizieren”, d.h. als “echt” zu identifizieren und somit auch die Glaubwürdigkeit der Inhalte zu erhöhen. Zum einen bieten die Plattformen entsprechende Kennzeichnungen durch einen blauen Haken an, sofern es um Akteure von öffentlichem Interesse geht und die “Echtheit” geprüft werden konnte (z.B. durch Dokumente oder E-Mail-Adressen). Eine zweite Variante besteht darin, Accounts von “offiziellen” Webseiten zu verlinken. Diese Methode kann auch helfen, die Sichtbarkeit und Reichweite von Accounts zu erhöhen. Vor allem ist das Setzen solcher Links von einer offiziellen Website aber eben in aller Regel nicht durch Dritte möglich, sondern kann nur durch offizielle Nutzer (Webmaster / Redakteure) erfolgen.

Verifizierung von Kanälen nach Parteien (Eigenrecherche)

Grafik: Verifizierung von Kanälen nach Parteien (Eigenrecherche)

Erstaunlich ist jedenfalls, dass alle im Landtag befindlichen Parteien einen Teil ihrer Accounts überhaupt nicht verifiziert haben, wobei hier die Bandbreite zwischen 10 und 30 % der Accounts liegt.

3. Reichweite Social Media

Ebenfalls spannend: Ein Blick auf die Partei-Reichweiten in Social Media. Natürlich werden auch die Parteien und die Politiker der Bundesebene in Hessen wahrgenommen, ohne das sie hier in die Messung einfließen. Auch gibt es neben den erfassten Untergliederungen der großen Parteien auch noch weitere Gruppen und Parteien, die ebenfalls für die politische Willensbildung relevant sein dürften. Und dennoch bleiben die Zahlen der sechs Parteien letztendlich erschreckend überschaubar. So haben alle Parteien aufaddiert etwa 180 Tsd. Facebook-Fans bzw. 90 Tsd. Twitter-Follower. Natürlich werden hier weitere Menschen bei Facebook und Twitter erreicht, sofern die Parteiinformationen geteilt bzw. retweetet werden. Aber im Kern bedeutet die Zahl, dass etwa 4 % (Facebook) bzw. 2 % (Twitter) der etwa 4,3 Mio. Wahlberechtigten in Hessen erreicht werden.

4. Facebook schlägt Twitter

Wenig überraschend schlägt Facebook bei allen Parteien die Reichweite der Twitter-Accounts, nur bei der SPD ist der Vorsprung eher knapp – das dürfte aber auf den schon 2009 gestarteten Account des hessischen Parteivorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel zurückzuführen sein, der sich mittlerweile über 25 Tsd. Follower erarbeitet hat. Von dieser Ausnahme abgesehen liegt aber eben Facebook vorne.

Facebook vs. Twitter (nach Parteien)

Grafil: Facebook vs. Twitter (nach Parteien)

Verglichen mit der Nutzung von Twitter und Facebook insgesamt in Deutschland (schätzungsweise etwa 1,1 Mio. zu 31 Mio.), wirkt der Vorsprung von Facebook dann doch überschaubar. Aber Twitter scheint sowohl im politischen als auch im journalistischen Kontext weiter eine größere Rolle zu spielen als in der Gesamtbevölkerung.

5. Aktualität vs. Interaktion

Ein Blick auf die Aktivitäten der Parteien bei Twitter zeigt, dass hier durchaus mengenmäßig vergleichbare Postingmengen gemessen werden können. Dabei fällt auf, dass gerade die drei “kleineren” Parteien etwas ruhiger sind, während z.B. die CDU und auch die Grünen durchaus schwanken in Sachen Volumen. Nur die SPD ist überdurchschnittlich aktiv:

Twitter-Aktivitäten nach Parteien

Grafik: Twitter-Aktivitäten nach Parteien

So wichtig regelmäßige Aktivität auch im Bereich Social Media ist, letztendlich gibt es eben Themen, die ungleich stärker polarisieren und eben auch mehr Interaktion zur Folge zu haben. Im beobachteten Zeitraum dürften das bei der AfD vor allem das Thema “Chemnitz” gewesen sein (wie ein erster schneller Blick in die Daten zeigt), während die SPD mit dem Thema “Mietpreisbremse” viele Reaktionen erzielt hat.

Follower-Aktivitäten nach Parteien

Grafik: Follower-Aktivitäten nach Parteien

Danke – und Feedback willkommen!

Bleibt abschließend nur noch, erneut unseren Partnern Talkwalker und Fanpage Karma für ihre Unterstützung in Form von Daten und Eigenentwicklungen für einzelne Auswertungen zu danken. Und natürlich freuen wir uns über Rückmeldungen und gerne auch konkrete weitere Fragen, die wir in den weiteren Analysen berücksichtigen sollen.

Und nun viel Spaß beim Stöbern in der Live-Seite zum #HessenBuzz!

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